2020

Faszination Computergrafik

Ruedi Zimmerli widmete sich nach seiner Pensionierung der Computergrafik. Seine «Malutensilien» sind Maus, Tastatur, spezielle Software, PC und Bildschirm.

Sein Atelier ist der Schreibtisch. Mit einem Bild im Kopf versucht er mit seinen Programmen, dieses zu verwirklichen, was aber selten auf Anhieb gelingt. Es folgt ein meist langwieriger Gestaltungs- und Bearbeitungsprozess, und wenn dann bei allen Bemühungen nichts daraus wird, wird die Vollendung auf später verschoben. So tummeln sich auf seinem PC jede Menge unvollendete Bilder und Ideen.
Aber manchmal entspricht das Erreichte seinen Vorstellungen und das Bild wird gedruckt und ausgestellt; immer im Bemühen, die vielfältigen Möglichkeiten dieser jungen Kunstrichtung auszuloten.

In der traditionellen Kunstszene finden solche Bilder kaum Beachtung.
Sie werden als seelenlos klassiert, als ein von der Maschine hergestelltes Produkt. Nur von Hand gemachte Gemälde finden Anerkennung. Was dabei vergessen geht: Es ist nicht der Pinsel, der das Gemälde malt, sondern der Künstler, der den Pinsel führt. Analog ist es nicht das Textprogramm, das ein gutes Buch schreibt, sondern der begabte Schriftsteller.

Eigenartigerweise wird der Fotografie nicht mit einer derart abweisenden Haltung begegnet. Sie ist als Kunstform bestens etabliert. Kein Mensch nimmt daran Anstoss, dass es am Ende die Maschine ist, die das Bild erzeugt.

Darüber, was Kunst sei, lässt sich füglich streiten. Im Vertrauen darauf, dass sich die Computer-Art als Kunstform durchsetzen wird, macht Rudolf Zimmerli weiterhin seine grossformatigen Bilder, ungehemmt und ausgelassen in Form und Farbe. Eine Tätigkeit, die ihn nach wie vor fasziniert.